Lew der Tiger

Lew ist ein kleiner Tiger, der in einer Ecke der Erde geboren wurde, in der die Nadelbäume bis in den Himmel wachsen und die Schneeflocken Stepptanzen. Lew kommt morgens nur schwer in die Gänge. Das liegt daran, dass er es gerne gemütlich mag und nichts kuscheliger ist als sein Bett unter Taiga-Bäumen. Man sieht ihn darin kaum vor lauter Kissen. Er hat sie sich selbst aus sibirischen Wildgansfedern genäht. Die hat ihm einmal ein Bauer geschenkt, für dessen fünf Kinder Lew eine TipTop-Höhle gezimmert hat. Lew ist nämlich handwerklich ziemlich begabt. Vor allem als Versteckarchitekt hat er sich einen Namen gemacht. Von nah und fern kommen die Leute angereist, um den talentierten Tiger um Baurat zu fragen. Lew lässt sich seine Dienste in Zuckerwürfeln bezahlen. Die braucht er, um morgens irgendwie doch aus den Federn zu kommen. Mindestens genauso gerne futtert er allerdings Salamiklappstullen. Lew hat eigentlich ein gutes Leben. Was ihm allerdings fehlt ist ein richtiger, echter Freund. Schon lange träumt er von einem kleinen Tiger, der genauso gerne durch den Wald strolcht wie er selbst. Mit dem würde er um die Wette schlafen und Schneemännererschrecken spielen. Er findet, dass die Eiskristallburschen immer so herrlich anfangen zu zittern, wenn er sich von hinten anschleicht und laut „Mohrrübenkasper“ in ihr Ohr brüllt. Eines Morgens beschließt Lew deshalb, dass er diesen Freund finden will. Leider gibt es von Lews Sorte nur noch ganz wenige Exemplare auf der Welt. Deshalb startet der Tiger seine Reise auf dem Dach der transsibirischen Eisenbahn. Er hat gehört, dass die so weit fährt wie kein anderer Zug auf der Welt. Lew wird so viele Abenteuer erleben, dass ihm ganz schwindelig auf seinem Eisenbahndach würde, wüsste er bereits davon. Vor allem aber wird er sich im Berliner Tierpark in eine Artgenossin verlieben und in den Wäldern der Hauptstadt sesshaft werden. Aber das ist eine andere Geschichte, die auch an anderer Stelle erzählt werden soll.

Hier gibt es Lew für Zuhause.