Jóhann, das kleine Zebra

Jóhann heißt wie sein Vater. Von ihm habe er die Lust am Unsinn machen geerbt, munkeln die Alten im Städtchen. Jóhann versteht nicht, was sie damit meinen. Ist ihm aber eh schnuppe. Von seinen Abenteuern erzählt er nur seinem Großvater Knut. Knut hat  immer Schnupfen. Jóhann hat immer kalte Hufe. Das verbindet - und ist ja auch kein Wunder, wenn man in Island lebt. Dort ist es nur in den Vulkanen heiß. Jóhanns Großvater hat, um dem Problem „Triefnase“ zu begegnen,  eine sehr erfolgreiche Taschentuchfabrik gegründet. Der kleine Jóhann geht deshalb nie ohne Schnäuzutensil und vier von seiner Großmutter gefertigte bunte Strickstulpen vor die Tür. Das stand zunächst seiner Freundschaft zu den wilden Islandponies im Weg. Die fanden die Kombination aus Taschentuch und Stulpen so peinlich, dass sie Jóhann auf ihre Abenteuerausflüge über die Insel nicht mitnehmen wollten. Ruiniert den Ruf.

Doch Jóhann war der schnellste und geschickteste Vierbeiner,  wenn es darum ging, Vulkane runterzurollen. Außerdem hatte er ständig Hunger und deshalb immer etwas Essbares dabei. Diese Kombination überzeugte die wilden Islandponies irgendwann.  Bald wurden sie Jóhanns beste Freunde. Und eines Tages fingen sie sogar an, Taschentücher  und Strickstulpen mit sich herumzutragen.  Ist ja doch ziemlich praktisch und gemütlich.  Jóhanns Mutter war das alles allerdings gar nicht recht. „Vor den wilden Islandponies“, trichterte sie ihrem Sohn ein, seit dieser Hottehü wiehern konnte,  „nimm’ Dich in Acht. Die nehmen, was sie kriegen und geben nix.“ Jóhann hat mal ein Gespräch belauscht, aus dem hervorging, dass auch sein Vater ein wildes Islandpony gewesen sein soll. Ein berühmter Bandenchef sogar, der sich irgendwann einfach von der Insel gemacht hat, weil er Sonne suchen wollte. "So ein Schlawiner", zischelten die Inselbewohner. "Soll jetzt in Afrika leben, war ihm wohl nicht warm genug hier". Jóhann sah’ das anders. Er fand die ganze Sache unglaublich aufregend Zumal er seither ein klares Berufsziel verfolgte. Heimlich versteht sich. Als er trotzdem seinem Großvater davon erzählte, sagte der nur: „Pass’ bloß auf, dass Du nicht irgendwann in einen Vulkan fällst, dann ist es aus mit der Karriere als Bandenchef.“ Daran hat Jóhann sich immer gehalten. Auch als er längst der fairste und beste und vernünftigste Wildpony-Anführer war, den Island je gesehen hat.